Samstag, 13. November 2021

Das ABC der Videospiele: Alles, was Gamer über Videospielgeschichte wissen müssen

Am 21. Oktober 2021 erschien das verspielte Nachschlagwerk Das ABC der Videospiele im Lappan Verlag. Hauptverantwortlicher des 192 Seiten umfassenden Werks ist Gregor Kartsios, dessen Weg ich seit einigen Jahren interessiert verfolge. Erstmals ins ins Ohr gefallen ist er mir durch den Game One Plauschangriff, der mittlerweile bereits seit 2009 existiert und für mich persönlich den Beginn meiner Podcast-Leidenschaft darstellt. Dadurch ist mir zumindest seine Stimme schon seit einiger Zeit vertraut. Die angenehme Art, wie flüssig er über Videospiele schwadroniert, zeugt von einem hohen Sachverstand - auch wenn ich nicht jede seiner Ansichten teile. Nicht zuletzt bin ich durch seine Empfehlungen auf die ein oder andere Perle gestoßen, beispielsweise die Yakuza-Serie. Nach dem Ende von Game One Ende 2014 habe ich dann auch endlich ein Gesicht vor Augen als Moderator vieler liebgewonnener Formate von Rocketbeans TV (u.a. Retro Klub, Nerd Quiz, Speedrundale), auch über das Ende des 24/7-Sendebetriebes vor Kurzem hinaus.


Selbstverständlich folgte der Buch-Ankündigung unmittelbar die Vorbestellung. Nach Erscheinen wurde die schicke Hardcover-Ausgabe regelrecht verschlungen. Ich gönne ihm die überwiegend positiven Resonanzen und eine Fortsetzung scheint zumindest schon in Aussicht. Um es vorweg zu nehmen: Hundertprozentig zufrieden bin ich jedoch nicht - was wohl auch meiner hohen Erwartungshaltung geschuldet ist. Trotzdem hatte ich insgesamt eine gute Zeit: Wer mit der bisherigen Präsentation seiner Formate glücklich ist, wird auch Das ABC der Videospiele dank der Kurzweiligkeit und dem damit verbundenen Lesefluss mit einem Platz im Bücherregal belohnen. Wer jedoch ein "Standardwerk für Pixel-Nostalgie" erwartet (was zumindest so als Anpreisung in der Amazon-Beschreibung festgehalten wird), dürfte aufgrund einer gewissen Oberflächlichkeit auf hohem Niveau enttäuscht sein. 


Nach einem kurzen Vorwort beschreibt Gregor in alphabetischer Reihenfolge von A wie Atari bis Z wie Zelda wichtige und weniger wichtige Begriffe und Meilensteine der Videospielgeschichte. Das umfasst überwiegend die aktuellen sowie vergangenen Plattformen (u.a. Nintendo, Sony, Microsoft, Sega, Commodore), berühmte Entwickler (wie LucasArts, id Software), besonders langlebige Spiele-Serien (beispielsweise Resident Evil, Pokemon, Zelda). Kategorien wie Genres (FMV, RPGs, Jump & Run) dürfen genauso wenig fehlen wie Kuriositäten und Abarten (Konami Code, QTE). Auffällig ist die verspielte Präsentation, die Bilder selber bestechen bis auf wenige Ausnahmen (Stichwort: Dunkelheit) durch ihre hohe Qualität. Überwiegend auf Briefmarken-Größe komprimiert bin ich absolut begeistert von der Auswahl. Besonders gelungen ist der umfangreiche Abhandlung der Handhelds, die auf 12 Seiten keine Wünsche offen lässt. Weniger zufrieden bin ich mit den wenigen lieblosen Abschnitten (Tetris) und so mancher Auswahl, die wohl auch mit den bekannten Vorlieben des Autors und dem Buchstaben Y zusammenhängen. An diesen Stelle hätte ich mir aber eine andere Abhandlung gewünscht.


Für meinen Geschmack fehlt hier doch einiges, was Das ABC der Videospiele eher zu einer Art Prolog macht als zu einem Gesamtwerk. Dazu gesellen sich Fehler, die den Gesamteindruck der Erstauflage schmälern, etwa die Mexiko-New-Mexico-Verwechslung bei der Entsorgung der ET-Module oder das Castlevania-NES-Cover in der Playstation-Kategorie. Diskussionsbedarf besteht noch hinsichtlich der Ansicht, dass Doom (2016) der vielleicht beste Singleplayer-Shooter der Neuzeit sein soll. Wie jeder weiß, trifft diese Aussage auf den Nachfolger Doom Eternal treffender zu. 


Links: