Sonntag, 28. Oktober 2007

Sam & Max Season 1 (PC-Review)

Genre: Point & Click Adventure
Erschienen: August 2007 für PC
USK: Freigegeben ab 12 Jahren gemäß & 14 JuSchG

Es folgt ein Stück Point & Click Adventure Geschichte. Denn Sam & Max war eigentlich schon genauso tot wie Hot Dog und Hasenbraten. Doch nach dem 2004 gestoppten Sam & Max: Freelance Police erbarmten sich Telltale Games einen Nachfolger für eines der besten Lucas Arts Spiele Sam & Max: Hit the Road Anfang der 90er Jahre zu machen, zwar nicht in der eigentlich gedachten Form sondern im Episodenformat. Seit kurzem steht die erste Staffel in den Läden. Doch hat sich das Warten wirklich gelohnt oder geht es im Adventure-Allerlei unter?

Der 4. März 2004 war ein sehr trauriger Tag für Adventure-Fans: An diesem Tag wurde Sam & Max 2: Freelance Police von Lucas Arts eingestellt. Kurz zuvor wurde mit Vollgas 2 bereits eine Abenteuer-Hoffnung eingestampft. Lucas Arts begründete dies mit dem angeblich fehlendem Desinteresse sowie fehlenden Gewinngarantie und wandte sich wieder seinen Star Wars Entwicklungen zu. Was folgte war ein empörter Aufschrei der Fans mit Online-Petitionen und eine Stellungnahme von Erfinder Steve Purcell, der ebenfalls nur Unverständis für die Einstellung des weit fortgeschrittenen Projekts äußerte. Im Oktober 2004 dann die Nachricht, auf die alle gewartet haben: Ehemalige Mitglieder des Teams gründen die Firma Telltale Games, die keinen Hehl daraus machten das Adventure-Genre wiederzubeleben. Das deutsche Entwicklerteam von Bad Brain Entertainment wollte sich ebenfalls dem Projekt zuwenden, doch Verhandlungen mit Lucas Arts scheiterten. Das war Ende Januar 2005. Ein paar Monate später meldet sich Steve Purcell wieder zu Wort und gibt voller Stolz bekannt, die Sam & Max Lizenz wieder zu besitzen. Im September des gleichen Jahres dann endlich die Erlösung: Sam & Max 2 befindet sich offiziell in der Entwicklung bei Telltale Games, die zu dieser Zeit aber noch mit der 2 Episoden langen Umsetzung des Bone-Comics alle Hände voll zu tun haben. Zudem befindet sich der Quellcode von Freelance Police noch immer in Händen von Lucas Arts, die Arbeiten müssen also bei Null beginnen und bis zum Release würden noch viele Monate ins Land ziehen. Erst am 29. September 2006 geht die Goldmeldung der 1. Episode Culture Shock an die Presse...

Wie bereits angedeutet wird Sam & Max im Episodenformat veröffentlicht, vorerst nur im Internet und mit magerer Spielzeit von 1,5 bis 3 Stunden pro Episode. Doch Gerüchte sollten sich bestätigen, wonach die ersten 6 Episoden als Staffel 1 zusammengefasst auch in den Händlerregalen steht. Mit einigen Monaten Verspätung versteht sich. Seit August 2007 aber auch endlich in Deutschland. Als Besitzer der CD-Version im Pappkarton machte ich alle Höhen und Tiefen von Ankündigungs- und Einstellungshickhack durch und kann nun sagen: Sam & Max sind zurück, sie haben noch immer ihre Macken aber sie sind immer noch verdammt lustig! Hinter der Fassade von süßen und knuddeligen Tierdetektiven verbirgt sich Sarkasmus, bitterböse Satire und bissiger Humor wie man ihn noch selten erleben darf. Willkommen in der verrückten Welt von Sam & Max.

Nun aber genug der Beweihräucherung und auf ins Abenteuer: Sam, der ewig sarkastische Hund und sein stets Gewaltbereiter Hasenfreund Max finden sich zum Anfang jeder Episode in ihrem Büro wieder. Ihr Vorgesetzter ruft an und vertraut sie mit ihrem neuesten Fall. Kurz im kleinen unaufgeräumten Büroraum umgesehen ob nicht doch etwas Nützliches rumliegt und schon geht’s an die frische Luft. In dem kleinen Stadtausschnitt gibt es immer 2 Anlaufpunkte: Sybill´s und Bosco´s Null Service Shop. Sybill verdient ihr Geld in jeder Folge mit einer anderen Arbeit, sie ist sich für keinen Job zu Schade. Der unter Verfolgungswahn leidende Bosco führt einen kleinen Supermarkt, dessen Kundenkreis recht überschaubar ist: Sam & Max. Er verkauft allerlei abstruses Zeug mit horrenden Preisvorstellungen. So erweist sich das völlig überteuerte Wahrheitsserum als handelsüblicher Wodka. Was sich beispielsweise hinter dem Abhörgerät oder der biologischen Waffe in den anderen Episoden verbirgt wird mal nicht verraten. Um sich vor seinen Feinden (z.B. die amerikanische Regierung, Spielzeugmafia, usw.) zu schützen verkleidet sich Bosco. Lacher sind garantiert.

Ein paar nervige Gesellen feiern bereits in Culture Shock ihr Debut: Die Limo-Lauser. Da wäre das Vierauge Brilli, Glubschi und der Limo-süchtige Strulli. Hier sind die Namen Programm. Diese 3 Gesellen tauchen immer wieder in den Episoden auf und gehören zum Bestandteil des Rätseldesigns. In den weiteren Verlauf der Episoden gibt es noch mehr völlig verrückter Charaktere, wie z.B. ein Schauspielerndes Hühnchen, eine Talkshowmoderatorin mit Diva-Allüren, die Ratte Jimmy Zweizahn, die lebendig gewordene Statue von Abraham Lincoln oder Reiner Segen, der noch zu einer wichtigen Person in der letzten Episode wird. Jede Episode hat darüber hinaus noch spezielle Schauplätze, wie z.B. ein Theater, das Weiße Haus, ein Spielcasino oder den Mond. Zu erreichen sind diese immer mit dem Desoto-Polizeiwagen.

Durch die recht wenigen Schauplätze spielt man sich in alt bewährter Point & Click Manier, auch hier wie es heute zum guten Ton gehört vollständig in 3D. Per Multiple-Choice-Fenster kommuniziert man mit den anderen Personen. Steuern darf man übrigens nur den Hund Sam, Max ist aber immer dabei, macht Grimassen, reißt dumme Sprüche und gibt mehr oder weniger hilfreiche Tipps. Es lohnt sich durchaus jede Gesprächsoption wahrzunehmen, was hier an genialen Dialogen abgefeuert wird lässt kein Auge trocken. Ab und zu muss aber auch der richtige Spruch zum richtigen Zeitpunkt ausgewählt werden, man kommt aber nur selten an abweichend dämlichen Dialogoptionen vorbei. Der Wortwitz bleibt trotz der Übersetzung ins Deutsche übrigens wohltuend oft erhalten: Was am unübersetzbaren wegfällt wird halt mit der deutschen Sprache wieder weg gemacht.

So gut die deutsche Synchronisation und Übersetzung auch gelungen ist, so hat sie doch ihre Schwächen. Ja, jetzt wird’s negativ: Warum hören sich viele Dialoge so abgehakt und abrupt unterbrochen an? Warum hat man viele Schilder, Bezeichnungen an den Schauplätzen übersetzt aber genauso viele im Englischen gelassen? Warum gibt es nur so wenig Schauplätze und warum artet der Wechsel zwischen Stadtabschnitt und anderen Örtlichkeiten später so sehr aus? Warum kann Sam nicht per Doppelklick schneller zum gewählten Ziel gehen? Das sind alles unnötige Designmängel die man hätte verhindern können... Das war aber noch bei weitem nicht alles: Wie wärs z.B. mit Item-Mangel, einnehmend unlogischen Rätseln in den letzten beiden Episoden oder der Tatsache, dass sich die Gegenstände im Inventar nicht miteinander kombinieren lassen, in jeden Fall noch die langweiligen und unnötigen Fahrabschnitte. Bei allen guten Seiten muss man natürlich auch diese negativen Gesichtspunkte heranziehen, die die Konkurrenz – und hier an dieser Stelle möchte ich nochmal die geniale Ankh-Reihe herausheben – besser machen. Auch wenn Hund & Hase in Sachen Humor die klare Referenz sind.

Am besten gefallen hat mir übrigens die Episode Abe Lincoln must die – was hier an politischer Satire und Wortwitz aufgefahren wird ist schlicht und ergreifend genial. Culture Shock, Situation Comedy sowie The Mole, the Mob and the Meatball nehmen sich nicht viel, bieten sehr logische Rätsel. Dagegen fällt Reality 2.0 stark ab, das Thema Internet und Computer ist sehr speziell aber da hätte man mehr draus machen können. Das abschließende Bright Side of the Moon will ein bisschen zuviel des Guten, ist aber ein würdiger Abschluss.

Lässt man aber all diese negativen Punkte beiseite und sieht man sich an, was sich die Entwickler für die zweite Staffel vorgenommen haben – eben auch die Behebung der von mir angesprochenen Fehler – so lässt sich festhalten: Sam & Max sind wieder da und so schnell werden sie nicht vom Bildschirm verschwinden.

Fazit: Fast perfekter Adventure-Spass für Einsteiger, Profis sind unterfordert

Sam & Max Season 1 Trailer:


War Song:


Tipp: Bei youtube gibt es noch viele alte Folgen der Cartoon-Serie, einfach mal reinschauen.

Wertung: 8,1/10