in letzter Zeit war es ziemlich ruhig in meinem Blog. Das hat verschiedene Gründe. Für die Zukunft gelobe ich jedoch Besserung, dazu will ich meine Gedankengänge hier gerne mitteilen.
Das Projekt Konsolenfieberruht nun schon über einen längeren Zeitraum, ich habe auch keinerlei Kontakte mehr zu dieser Seite. Mein letztes Review ist datiert auf den 02.04.2020 (zum Review von Doom Eternal). Doch auch ohne meine Mitarbeit gab es das letzte Review vom Team vor etwa genau einem Jahr (03.11.2020), die letzte News-Meldung ist sogar etwas älter (25.09.2020). Man kann davon ausgehen, dass sich auf diese Internetpräsenz nichts mehr tut.
Seit über 1,5 Jahren gibt es also keine neuen, selbst verfassten Artikel (Review, Preview) mehr für andere Projekte - die Erwähnungen auf unseen64 einmal ausgeklammert. An diesem Umstand wird sich auch auf absehbare Zeit nichts Entscheidendes ändern, obwohl ich mittlerweile zu den glücklichen PS5-Besitzern zähle und diese auch begeistert bespiele (u.a. Astro's Playroom und The Pathless durchgespielt, aktuell Ratchet & Clank: Rift Apart). Wenn ich Artikel veröffentliche, dann wohl nur noch direkt im Blog.
Es ist für mich alles eine Frage der Zeit, denn meine Interessen verlagern sich immer mehr in die Freizeit ohne Gaming. Dazu Berufliches: Nach über 11 Jahren habe ich meine Arbeitsstelle gekündigt und werde mich ab dem 1.11. neuen Herausforderungen inklusive mehr Verantwortung stellen.
Was das konkret für die Zukunft des Blogs bedeutet: Der Blog bleibt online und ich werde auch wieder Artikel exklusiv für diese Plattform verfassen. Nicht unbedingt nur zu aufwendigen Videospielen, sondern auch zu Büchern, Musik, Figuren, Filmen und Serien. Es muss nicht unbedingt etwas mit Gaming zu tun haben, sondern auch die neue Kaffeemaschine.
Fazit aus meinem Test auf Konsolenfieber: „Hell yeah! Im Vorfeld war ich ein bisschen skeptisch, denn Doom (2016) war zwar wieder der wichtige Schritt zurück zu den Wurzeln der Serie, wirkte aber noch unausgereift und regelrecht bescheiden. Doom Eternal hingegen drückt das Gaspedal voll durch und begeistert vom ersten bis zum letzten Augenblick. Die sinnvollen Verbesserungen und Gameplay-Elemente, die ich am wenigsten in einem solchen Spiel erwartet hätte, ergeben ein motivierendes Videospiel-Highlight. Der Soundtrack rockt.“
2) The Last of Us: Part II (PS4) erschienen am 19.06.2020
Einschätzung: Zum Vorgänger gibt es nur eine Meinung: Meisterwerk! Der Nachfolger macht vieles sogar noch besser und verfeinert u.a. die exzellenten Schleichmechaniken. Für die Spitzenposition hat es nicht ganz gereicht, auch wegen einiger mutigen Entscheidungen, die mich nicht hundertprozentig überzeugt haben.
3) Journey to the Savage Planet (PS4) erschienen am 28.01.2020
Einschätzung: Der erste Überraschungshit dieses Jahres schafft es auch aufs Podest. Mit seiner erfrischenden Präsentation und cleveren Features ist mir diese kleine Perle in Erinnerung geblieben.
4) Darksiders: Genesis (Nintendo Switch) erschienen am 14.02.2020
Einschätzung: Darksiders lebt tatsächlich noch, vielmehr noch als der grundsolide 3. Teil begeistert Genesis mit zwei spielbaren Figuren und motivierendem Spielablauf.
5) Black Mesa (PC) erschienen am 05.03.2020
Einschätzung: Ups, hatten wir das nicht schonmal vor vielen Jahren? In der Tag, denn die noch unvollständige Erstveröffentlichung des Remakes von Half Life konnte schon damals begeistern. Und die Zeit zur Vervollständigung wurde ordentlich genutzt, denn die Neugestaltung des im Original verhassten Abschnittes in der außerirdischen Xen-Welt kann begeistern. Bei einer besseren Schwierigkeitsbalance wären sogar eine höhere Platzierung drin gewesen.
6) What the Golf? (Nintendo Switch) erschienen am 21.05.2020
Einschätzung: Ich mag Golfspiele, aber irgendwann stellt sich bei den bierernsten Simulationen Routine ein. So nicht bei dieser absurden Parodie, wo schon mal statt des Balls der Schläger oder die Figur im Loch landet.
7) Mafia: Definitive Edition (PS4) erschienen am 25.09.2020
Einschätzung: Die Mafia-Serie konnte mich nach dem genialen PC-Debüt nicht mehr überzeugen. Mit der respektvoll aufgebohrten Definitive Edition fühlte ich mich plötzlich wieder 18 Jahre jünger, auch wenn die Stadt eine schöne Kulisse bleibt.
8) Zombie Army 4: Dead War (PS4) erschienen am 04.02.2020
Fazit aus meinem Test auf Konsolenfieber: „Zombie Army 4: Dead War ist ein sehr kurzweiliger Third-Person-Shooter, denn trotz der unverkennbaren Koop-Ausrichtung können auch Einzelspieler jede Menge Spaß haben. Die Auseinandersetzungen mit den unterschiedlichsten Zombies sind knackig und genau das richtige für Genre-Fans. Mit abwechslungsreicheren Missionen, mehr Waffen und einer frischen Technik könnte ein eventueller fünfter Teil in noch höhere Wertungsregionen vordringen. Bemerkenswert ist die ungeschnittene USK-Freigabe in Deutschland.“
9) Ion Fury (Nintendo Switch) erschienen am 14.05.2020
Einschätzung: Schon bei seiner PC-Veröffentlichung vor einiger Zeit konnte der Ego-Shooter alter Schule mein Interesse wecken. Die Switch-Fassung hat mit vereinzelten technischen Problemen zu kämpfen, kann mich letztendlich aber doch zum Durchspielen motivieren. Ein schönes Spinoff zu Duke Nukem 3D.
10) Star Wars: Squadrons (PS4) erschienen am 01.10.2020
Einschätzung: Star Wars kehrt nach der insgesamt misslungenen neuen Filmtrilogie wieder zu seinen Wurzeln zurück, so konnten Konsolenspiele wie Star Wars: Fallen Order oder The Mandalorian die Faszination des Universums wieder entfachen. Dieser kurzweilige Weltraum-Shooter reiht sich da gekonnt ein.
Vor einiger Zeit habe ich die renomierte Website www.unseen64.net
kontaktiert mit Informationen über das eingestellte Videospiel 7Days, welches ich recherchiert hatte.
Nun haben die Jungs einen Artikel dazu veröffentlicht:
Vor einiger Zeit habe ich die renomierte Website www.unseen64.net kontaktiert mit Informationen über das eingestellte Videospiel Project Revolution, welches ich recherchiert hatte.
Nun haben die Jungs einen Artikel dazu veröffentlicht:
1) A Plague Tale - Innocence (PS4) erschienen am 14.05.2019
Einschätzung: Ich hatte im Vorfeld mit vielem gerechnet, aber nicht unbedingt, dass dieses Abenteuer die Top-Platzierung meiner Jahresliste einnimmt. Mit seiner emotionalen Geschichte, starken Momenten und smarten Spielmechanik konnte mich kein anderer Titel derartig begeistern.
2) Resident Evil 2 (PS4) erschienen am 11.01.2019
Einschätzung: Natürlich hätte ich das Original einmal nachgeholt, wenn nicht schon seit Jahren das Remake so sehr gewünscht und gefordert wurde. Ich wurde nicht enttäuscht, sondern ganz im Gegenteil mit einem Meilenstein des Survival-Horrors belohnt. Grafik, Spielbarkeit und Präsentation wurden ordentlich aufgebohrt und übertraf wohl alle Erwartungen.
3) RingFit Adventure (Nintendo Switch) erschienen am 18.10.2019
Einschätzung: Selbst für Nintendo ist es ein großes Wagnis, Spieletitel nur wenige Wochen nach der Ankündigung zu veröffentlichen, obendrein noch im Bundle mit Zusatzgeräten. Das motivierende Fitness-Rollenspiel ist genau das richtige für Sportmüffel wie mich und lockt mich nicht selten nach Feierabend kurzzeitig vor den Fernseher.
4) My Friend Pedro (Nintendo Switch) erschienen am 20.06.2019
Einschätzung: Mein persönlicher Überraschungshit des Jahres. Am ehesten lässt sich der überdrehte Indie-Titel mit Max Payne vergleichen, wobei die Story trotz einiger absurden Höhepunkte stark in den Hintergrund gerät.
5) Catherine Full Body (PS4) erschienen am 03.09.2019
Fazit aus meinem Test für Konsolenfieber: "Catherine kann man sich nur schwer entziehen. Die sexy Full Body Edition
geizt nicht mit ihren Reizen und spendiert sogar noch zusätzliche
Inhalte, die das Paket extra prall machen. Der ungewöhnliche Genre-Mix
hat nichts von seiner Faszination verloren und manifestiert den
Kultstatus."
6) Gibbous - A Cthulhu Adventure (PC) erschienen am 07.08.2019
Einschätzung: Als Spieleplattform rückt der PC bei mir immer weiter in den Hintergrund, lediglich ein Titel konnte mich in den vergangenen Monaten für gewisse Stunden an den Monitor locken. Das kleine, sympathische Point-and-Click-Adventure ist sicherlich kein Genre-Highlight, dafür aber sehr kurzweilig und unterhaltsam.
7) Metro Exodus (PS4) erschienen am 15.02.2019
Einschätzung: Der beste Ego-Shooter des Jahres. Grafik und Gestaltung der Spielwelt begeistern, für eine höhere Platzierung schwankt beim dritten (und womöglich letzten) Teil der Metro-Trilogie die Qualität von Story und KI zu stark. Teilweise passt das Gegnerverhalten eher zu einem Trash-Shooter ala Übersoldier & Co.. Schade.
8) Star Wars: Jedi Fallen Order (PS4) erschienen am 15.11.2019
Fazit aus meinem Test für Konsolenfieber: "Star Wars Jedi: Fallen Order hat mich von der untypischen Ankündigung
bis hin zum Abspann nach dem Durchspielen überrascht. Erstaunt bin ich,
wie unpoliert und bewusst unkomfortabel der Titel daherkommt, sich
obendrein noch so großzügig bei anderen Spielen bedient und trotzdem so
viel Spaß macht. Als Gegenentwurf zu Games as a Service eine gelungene
Abwechslung und das vielleicht beste Star-Wars-Singleplayer-Abenteuer
seit The Force Unleashed und Republic Commando."
9) Concrete Genie (PS4) erschienen am 09.10.2019
Einschätzung: Ein vergleichsweise kleines Action-Adventure schafft es mit seiner liebevollen Präsentation in mein Gedächtnis. Das Thema Mobbing wird in Videospielen noch immer stiefmütterlich behandelt, da ist dieses Spiel eine Ausnahme, die sehr behutsam mit dem Thema umgeht. Das Gameplay ist dabei simpel und schnell erlernt.
10) Judgment (PS4) erschienen am 25.06.2019
Einschätzung: Das neue Spiel der Yakuza-Macher, welches mich auf hohem Niveau enttäuscht hat. Schließlich ist die Spielumgebung immer noch die gleiche und auch der Spielablauf hebt sich zu wenig ab von den Abenteuern um Kazuma Kiryu. Entlohnt wurde ich wiederum mit einer tollen Story und hochwertigen Zwischensequenzen.
Einschätzung: Als großer Fan von Trials Evolution freute ich mich sehr nach dem enttäuschenden Zwischenablegern über jede Menge verrückter Pisten und Herausforderungen. Für einige Stunden wurde ich auch gut unterhalten bis es dann schließlich doch zu schwer für mich wurde. Meine Motivation konnten nur das fragwürdige Belohnungssystem und die geringe Auswahl an Bikes bremsen. Sonst hätte es locker für die Top10 gereicht.
12) Shenmue III (PS4) erschienen am 19.11.2019
Einschätzung: Im Prinzip mein Guilty Pleasure für dieses Jahr, denn objektiv betrachtet ist Shenmue III kein gutes Spiel, sondern wirkt an vielen Stellen wie ein Titel, der etwa vor 20 Jahren hätte erscheinen sollen. Und so ist es ja auch eigentlich, denn nachdem Shenmue I & II genau in diese Zeit passten und Konsolenspieler noch begeistern konnten, ist der über Kickstarter finanzierte Nachfolger einfach "nur" eine konsequente Fortsetzung der beiden Klassiker. Leider hat man es in der Entwicklung verpasst, die nötigen Modernisierungen vorzunehmen. So fühlt es sich doch aktuell sehr unkomfortabel und antiquiert an. Viele Elemente machen einfach keinen Spaß. Enttäuschend auch, dass die Story erst so spät in Gang kommt und dann doch relativ unbefriedigend endet.
13) Golf Peaks (Nintendo Switch) erschienen am 14.03.2019
Einschätzung: Ein kleiner unscheinbarer Titel im Nintendo eShop für wenig Geld. Genau das richtige für zwischendurch. Die kleinen Knobeleien mit dem Golfball und der Auswahl an begrenzten Zügen sorgen für eine entspannende Stimmung und werden später durchaus anspruchsvoll mit wenigen Ausnahmen.
14) Remnant: From the Ashes (PS4) erschienen am 16.08.2019
Einschätzung: Nein, ich werde wohl in diesem kein Fan mehr von Soulslikes, daran wird auch Remnant nichts mehr ändern. Trotzdem hat der etwas untergegangene Titel mein Interesse geweckt, weil er auf den Kampf mit Schusswaffen statt Nahkampf setzt. Für einige Stunden doch unterhaltsam, ist mir auch hier der Frustfaktor trotz einiger Entschärfungen etwas zu hoch, obwohl es schon einige Dinge besser macht als Dark Souls & Co..
15) Into the Dead 2 (Nintendo Switch) erschienen am 25.10.2019
Fazit aus meinem Test für Konsolenfieber: "Into the Dead 2 ist eine vergleichsweise aktuelle Portierung für die
Nintendo Switch. Schon vor zwei Jahren konnte der Auto-Runner viele Fans
auf ihren Handys überzeugen. Zumindest im Handheld-Modus der
Hybrid-Konsole kann die Umsetzung zeitweise für Motivationsschübe
sorgen, mit seinen kurzen Abschnitten eignet es sich ideal für die
kleine Zockerei unterwegs. Techniche Mankos und die langweilige Story
trüben jedoch den Spielspaß."
16) Bear With Me (PS4) erschienen am 31.07.2019
Fazit aus meinem Test für Konsolenfieber: "Bear With Me ist ein solider Vertreter seines Genres mit Stärken und
Schwächen. Die vornehmlich simplen Rätsel sowie das beinahe schon
provokant langsame Spieltempo vermiesen den interessanten Mix aus Film
Noir plus kindlich-naiver Plüschfantasie entscheidend.
Point-and-Click-Abenteuer-Fans dürfen einen Blick mit dem Knopfauge
riskieren."
17) Vaporum (Nintendo Switch) erschienen am 11.04.2019
Einschätzung: Dieser Verteter seines Genres hatte mich schon bei seiner PC-Veröffentlichung zwei Jahre zuvor interessiert. Kurz nach der Verfügbarkeit für Nintendo Switch habe ich dann zugeschlagen und trotz einiger Hindernisse und den immer gleichen Gegnern hatte ich bis zu einem bestimmten Zeitpunkt eine gute Zeit. Die Rätsel habe ich unterschätzt.
18) Lines X (Nintendo Switch) erschienen am 27.06.2019
Einschätzung: Neben Golf Peaks war Lines X für einen überschaubaren Zeitraum mein Zwischendurch-Game mit netten Knobeleien. Der Schwierigkeitsgrad ist dabei immer fair, nur selten wurde es wirklich knackig. Ich würde es fast schon als anspruchslos bezeichnen.
19) Mario & Sonic bei den Olympischen Spielen: Tokyo 2020 (Nintendo Switch) erschienen am 08.11.2019
Fazit aus meinem Test für Konsolenfieber: "Das ist wohl der klassische Schnellschuss, der trotz großem Potenzial
nicht so richtig zünden will. Bis zu den Olympischen Sommerspiele ist es
noch eine ganze Weile hin, die Entscheidung im Hinblick auf das
Weihnachtsgeschäft unbedingt vorher zu veröffentlichen geht auf Kosten
der Qualität. Ein halbes Jahr zusätzlicher Entwicklungszeit hätten dem
Produkt sicher nicht geschadet. In der aktuellen Verfassung ist das
Sportspiel trotz gewohntem Charme eine Enttäuschung: Fehlende Wettkampf-
und Turniermöglichkeiten, ein verschenkter Story-Modus, leere
Online-Server sowie viele uninspirierte Sportarten, die genauso bereits
vor über 30 Jahren spielbar waren. Nur für knallharte Fans des Mario-
und Sonic-Universums."
20) The Nightfall (Nintendo Switch) erschienen am 28.11.2019
Fazit aus meinem Test für Konsolenfieber: "Hier könnte auch unser Fazit zu Pineview Drive stehen, denn The
Nightfall scheitert ebenso am Grundkonzept. Spielerisch, grafisch und
handlungstechnisch bewegt man sich auf ganz dünnem Eis. Statt Grusel
gibt es Fremdschäm-Momente am Fließband. Doch kleinste Lichtblicke sind
erkennbar. Handwerkliche Fehler konnten reduziert werden und
Interaktionsmöglichkeiten sind nun deutlich umfassender, auch wenn
Neugier und Forschungsdrang wegen dem schwachen Design schnell
verpuffen. Die Idee mit den Arcade-Klassikern ist hingegen nett."
leider war es hier gesundheitsbedingt etwas ruhiger in diesem Jahr. Trotzdem möchte ich allen Lesern und Besuchern noch schöne Feiertage und einen guten Rutsch ins neue Jahr wünschen.
Für Anfang 2019 ist bei mir eine Reha geplant nach der erfolgreichen Operation und dann geht es irgendwann im nächsten Jahr hoffentlich in gewohnter Frequenz weiter. Hier haben sich jedenfalls viele Spiele angesammelt und meine Tätigkeit bei Konsolenfieber möchte ich auch gerne wieder aufnehmen.
Kaum ein Entwicklerstudio schafft mit vergleichsweise
geringen Mitteln so viel Wirkung wie zuletzt Dontnod. Galt Remember Me im Jahr
2013 noch als Geheimtipp, war bereits Life Is Strange der große Wurf. Mit dem
Action-Rollenspiel Vampyr wird die positive Tendenz weiter konsequent
fortgeführt.
Videospiele mit düsterem Vampir-Setting haben eine lange
Tradition und werden durch gelungene Vertreter der Vergangenheit meist mit
Spannung erwartet, beispielsweise Legacy of Kain oder Vampire: Bloodlines.
Zuletzt zeigten sich die thematischen Auseinandersetzung jedoch arg blutleer,
etwa bei DARK. Eines vorneweg: Auch Vampyr ist keine AAA-Produktion mit hohem
Budget, sondern ein von den Entwicklern selbst bezeichneter AA-Titel. Und was
soll man sagen: Egal! Es hat Vampyr nicht geschadet, trotz der unübersehbaren
Ecken und Kanten. Die Auseinandersetzung mit vielen mysteriösen Vampir-Themen
motiviert bis zum Ende.
Schon die Ausgangslage ist nicht längst nicht so
ausgelutscht wie befürchtet sondern erstaunlich frisch. Als Jonathan Reid kehrt
man im Jahr 1918 aus dem 1. Weltkrieg zurück ins ungemütliche London. Hier
grassiert aktuell die verheerende Spanische Grippe, eine Pandemie, die
tatsächlich im frühen 20. Jahrhundert viele Millionen Todesopfer forderte. Unsere
Spielfigur plagen aber erstmal ganz andere Probleme, schließlich erwacht er
völlig entkräftet in einem ausgehobenen Massengrab und wird vom Blutdurst durch
die Straßen getrieben. Das erste Opfer seiner Verwirrung lässt nicht lange auf
sich warten. Tragischerweise muss seine Schwester Mary den Hals hinhalten.
Diese Tat lässt Reid fortan nicht mehr los und so bleibt die
eigene Familie ein wichtiger Strang in der vielschichtigen Hauptgeschichte. Der
Hauptcharakter sucht aber auch fortan nach seinem Erzeuger, als derjenigen
Person, die ihn diesen Fluch auferlegt hat. Außerdem macht er recht früh die
Bekanntschaft mit Dr. Edgar Swansea. Dieser weiß um die bekannten chirurgischen
Kenntnisse des Vampirs und heuert ihn kurzerhand im nahe gelegenen Pembroke Hospital
an, um seine Forschungen bezüglich Bluttransfusionen und Organtransplantationen
voranzutreiben. Schließlich hat die Stadt nicht nur mit der Spanischen Grippe
zu kämpfen, sondern auch mit einer unübersehbaren Ausbreitung von Vampirismus.
20 bis 40 Stunden Spielzeit sollte man für Vampyr einplanen.
In dieser kurzweiligen Zeit schaffen es die Entwickler wiederum mit
interessanten Charakteren, überraschenden Story-Wendungen sowie der
beklemmenden Atmosphäre zu punkten. Zwischensequenzen werden entweder in
Spielgrafik oder durch wenige animierte Schnipsel präsentiert. Auch in diesem
Werk werden unangenehme Themen aufgegriffen, etwa Rassismus, Homophobie oder Kriegstraumata.
Insgesamt bleibt die Stimmung ernst und der Tenor ruhig.
Im Kern ist das Spiel ein Action-Rollenspiel aus der
übersichtlichen Schulterperspektive. Für erfolgreich absolvierte Aufträge oder
Kämpfe werden Erfahrungspunkte gutgeschrieben. In neue Fähigkeiten können diese
aber erst nach einer erholsamen Ruhepause investiert werden. Der Talentbaum ist
relativ übersichtlich und bietet solide Möglichkeiten zur Charakterentwicklung.
Die Auftraggeber nehmen eine wichtige Rolle ein, schließlich werden neue
Dialoge erst dann offenbart, wenn gewisse Informationen gefunden werden. So
taucht man noch tiefer in die kompakte Spielwelt mit seinen vier Distrikten
ein, um die Geheimnisse der Figuren zu ergründen. Wer sich mit den Bewohnern
beschäftigt, hat es dann leichter, sich in London zurecht zu finden und erlebt
obendrein erstaunliche Schicksale anstatt langweiliger Statisten-Floskeln. Hier
hebt sich Vampyr angenehm von Genre-Konkurrenten ab, auch weil die
Entscheidungsfindungen und die damit verbundenen starken Auswirkungen nicht auf
einen Bierdeckel passen. Bewundernswert dabei ist noch zu erwähnen, dass
Beziehungen zwischen den Bewohnern erkennbar sind.
Ohnehin hat es der normale Schwierigkeitsgrad bereits in
sich, weshalb ein so genannter Story-Modus nachgereicht wurde, der die
Überlebenschancen erhöht. Für Hartgesottene, die bereits erfolgreiche
Erfahrungen mit Titeln wie Bloodborne oder Dark Souls sammeln konnten, gibt es
den Hardcore-Modus. Letztendlich steht der Hauptprotagonist regelmäßig vor
konsequenten Entscheidungen, Figuren für eine große Anzahl an Erfahrungspunkten
auszusaugen oder im Gegenteil zu verschonen sowie mit selbst hergestellten
Medikamenten zu versorgen. Diese kann Dr. Reid mit den eingesammelten Zutaten
an Arbeitstischen herstellen. Schließlich wirkt sich die Spielweise auf die
Zustände der einzelnen Bezirke aus. Ausgesaugte oder kranke Personen haben
negative Auswirkungen, an dieser Stelle erscheinen deutlich mehr Feinde in Form
von Vampirjägern und Bestien, die regelmäßig angreifen und respawnen. Das
Kampfsystem punktet mit den Vampireigenschaften sowie einem überschaubaren
Repertoire an aufrüstbaren Einhand-, Zweihand- oder Feuerwaffen.
Story und Gameplay überzeugen also auf ganzer Linie.
Technisch fehlt Vampyr aber ein wenig der Biss. Die bekannte Unreal-Engine
zeichnet ein düsteres Bild, weil das Geschehen ausschließlich bei Nacht
stattfindet. Ärgerlich sind viele kleine Ladepausen, die dreckige Spielwelt
wirkt dadurch stellenweise etwas fragmentiert. Als störend empfinde ich einige
unlogische Levelbegrenzungen und scheinbar unüberwindbare Hürden, ein Vampir
sollte sich schließlich etwas freier bewegen können. Dafür sind die wichtigsten
Charaktere trotz einer gewissen hölzernen Mimik schön detailliert dargestellt.
Die englische Sprachausgabe (deutsche Texte) ist gut und steht dem
stimmungsvollen Soundtrack in nichts nach.
Machen wir es kurz und schmerzlos: Vampyr ist für mich das
beste Blutsauger-Videospiel seit Vampire: Bloodlines und der
Legacy-of-Kain-Reihe. Das solide Action-RPG-Gerüst begeistert mich mit
tiefgründigen Figuren und ihren Beziehungen untereinander sowie der starken
Story. Ein durchdachtes Highlight des Spieljahres 2018.