Sonntag, 4. Juli 2010

Transformers: War for Cybertron (PC-Kritik)


Genre: 3rd-Person-Shooter
Erschienen: 22.06.2010 (PC, PS3, Xbox360, Wii, DS)
Alterseinstufung: Freigegeben ab 12 Jahren

Lange habe ich gewartet – ehrlich gesagt knappe 20 Jahre seitdem hier in Deutschland zum ersten Mal die Zeichentrickfolgen der Transformers Generation One ausgestrahlt wurden. Als Comic gab es Transformers: War for Cybertron bereits, jetzt erreicht die Vorgeschichte des Ganzen auch die aktuellen Videospielsysteme, u.a. meinen PC.

Also haben wir in der Einleitung direkt mit einem, vielleicht dem großen Irrtum um das Spiel aufgeräumt, denn dieser Teil ist mitnichten Transformers 3. Es ist absolut nicht die Fortsetzung der beiden Realfilme von Michael Bay und die dazu gehörigen Videospiele im neuen Design. Aber auch kein Lückenfüller für den da in 2011 kommenden dritten Kinofilm. Es handelt sich schlicht und ergreifend um die Vorgeschehnisse der so genannten Generation One, also der Serie der Transformers, mit der alles anfing. Dementsprechend orientiert sich auch das Art-Design der Figuren ganz klar an der ruhmreichen Vergangenheit, nicht an dem neu aufgelegten. Auch Serienkenner werden hier den ein oder anderen interessanten Moment erleben, beispielsweise ein erste Begegnung mit Starscream oder wie aus Optimus ein Prime wurde. Der Übergang zur Generation One wird übrigens ebenso gut getroffen. Ein kleiner Auszug aus den spielbaren Charakeren möchte ich Fans natürlich nicht vorenthalten: Optimus, Bumblebee, Ratchet, Warpath, Ironhide, Sideswipe auf Seiten der Autobots und klangvolle Namen wie Megatron, Starscream, Soundwave, Barricade oder Brawl als Decepticons. Für den Mehrspielermodus lassen sich weitere bekannte Charaktere freischalten.

Die Entwickler von High Moon gingen also vom allgemeinen Trend der absoluten Modernisierung und Anpassung an die Massen weg und präsentieren hier tatsächlich – ähnlich wie die vorangegangenen Das Bourne Komplott oder Darkwatch – ein düsteres, nicht selten brutales, aber auf jeden Fall brachiales und filmreifes Actionspiel. Die Ausgangssituation ist bei jedem Schnipsel, den man zu den transformbierbaren Hasbro-Spielfiguren vorgesetzt kommt, nahezu gleich: Zwei verfeindete Alien-Parteien, die guten Autobots sowie die bösen Decepticons, lebten einst gemeinsam in Harmonie auf dem weit entfernten metallisch-organischen Planeten Cybertron, der mittlerweile durch die Kriegshandlungen beider Parteien nahezu unbewohnbar ist. Transformers: War for Cybertron spielt aber tatsächlich die gesamte Zeit auf deren Heimatplaneten ab, was es von den bisherigen Umsetzungen weitestgehend abhebt.

In zehn Kapiteln, gegliedert jeweils in fünf auf Seiten der Decepticons sowie der Autobots darf der Spieler tatsächlich beide Gruppierungen wählen, ist aber nie alleine unterwegs, da man bereits vor Kapitelstart aus drei verfügbaren Charakteren wählen kann. Dabei sind von Anfang an Kapitel 1 (Kapitel 1-5 für die Decepticons) sowie Kapitel 6 (Kapitel 6-10 für die Autobots) verfügbar. Für ein besseres Verständnis der zusammenhängenden Geschichte sollte aber logischerweise von 1 bis 10 durchgespielt werden. Am Ende der jeweiligen Kampagne wartet zum Abschluss ein imposant inszenierter, mehrstufiger Bosskampf. Levels und Architektur lassen zwar auf den ersten Blick auf Weitläufigkeit schließen, werden aber schnell wieder auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Ballereien und Knopf-Drückereien laufen extrem linear ab, besonders zu Anfang läuft es auch immer wieder gleich ab: Knopf drücken um in einen Raum zu kommen, Gegner erledigen, automatischen Speicherpunkt passieren, weiter zum nächsten Raum, Gegner erledigen, usw.. Erst später öffnet sich die Struktur ein wenig und es kommt endlich die Schlachtatmosphäre auf, die der Titel verspricht.

Darüber hinaus wird schnell klar, dass der Schwierigkeitsgrad sehr moderat ausfällt, von daher empfiehlt sich direkt vom Start weg die leichteste Stufe zu überspringen, denn dort braucht man noch nicht einmal seine bis zu zwei gleichzeitig tragbaren Waffen aufzurüsten. Besonders effektiv sind die Scharfschützengewehre, da reicht es nämlich oft den meisten Widersachern einfach einen effektiven Headshot zu verpassen. Nur wenige verlangen ein taktisches Vorgehen, wie beispielsweise einer Gegnerart, die von den Kollegen abgelenkt werden muss damit wir die Schwachstelle am Rücken zerstören können. Dann gibt es noch die riesigen Panzer, die sich nach dem Beschuss ihrer Schwachstelle erst in ihre Roboterform verwandeln und nach allen Regeln der Kunst auseinander genommen werden können.

Wer auf anspruchsvolle Mech-Action a la Mech Warrior spekuliert hat, wird enttäuscht werden, denn Transformers: War for Cybertron ist ein astreiner, unkomplizierter Third-Person-Shooter geworden, am ehesten vergleichbar – nicht nur durch die Schulerperspektive, zerstörte Umgebung, die Atmosphäre, dem Design – mit Gears of War, allerdings ohne Deckungssystem. Dafür mit transformierbaren Möglichkeiten, also von ihrer aufrecht gehenden, fast menschlich wirkenden Form per simplen Knopfdruck fließend in ein Fahrzeug oder Flugvehikel verwandelnd.

In letzterem Fall fühlt man sich schon fast wie in einer kleinen Weltraum-Action-Simulation der Marke Freelancer oder Darkstar One – diese Abschnitte sind eine willkommene Abwechslung, leider aber auch wie die gesamte Solokampagne, die sich auch mit drei Spielern gleichzeitig kooperativ bestreiten lässt, mit seinen sechs bis acht Stunden recht kurz geraten. Die Verwandlung in Fahrzeuge dagegen ist eigentlich nur sinnvoll um längere Wegstrecken möglichst schnell hinter sich zu lassen, zumindest ist es auch in diesem Modus möglich, seine Feuerkraft sprechen zu lassen.

Der Mehrspielermodus ist dann doch die große Stärke von Transformers: War for Cybertron. Die kooperative Komponente macht Spass, auch wenn hier nicht die großartigen Interaktionsmöglichkeiten wie etwa in Army of Two geboten werden. Dafür dürften die menschlichen Mitstreiter ihre Fähigkeiten besser nutzen, die KI-Kollegen tun das nämlich gar nicht bzw. viel zu selten, Decepticon-Charakter Soundwave hat beispielsweise die Möglichkeit, einen Schild zu generieren, der vor Feindbeschuss schützt. Weiterhin wurde sich kräftig bei Gears of War bedient, wie der Eskalations-Modus beweist, in dem Horde um Horde anrückender Feinde vernichtet werden will. Auf acht Karten werden aber auch Standard-Modi geboten, etwa Deathmatch oder Eroberung.

Technisch wird der Kampf um Cybertron mehr als zeitgemäß präsentiert. Dank der leistungsstarken Unreal Engine 3, die hier sehr an Gears of War erinnert, steuert viel zum düsteren Artdesign bei und sieht auf jeder der drei Plattformen PC, PS3 sowie Xbox360 nahezu gleich aus. Ärgerlich sind bei der PC-Version allerdings die Frame-Limitierung auf 30 fps sowie die wenigen Einstellungsmöglichkeiten: Mehr als Auflösung, Vsync und Texturqualität dürften es schon sein. Ständig ist etwas los auf dem Bildschirm, Explosionen, Kämpfe, gut geskriptete Ereignisse. Auch der Plastik-Look der Figuren fügt sich hier perfekt ein, besonders alte Fans wie ich werden jeden Charakter wieder erkennen. Die deutsche Sprachausgabe ist gelungen, wer aber die Möglichkeit hat, sollte zum englischen Original greifen, in dem u.a. Optimus wieder von Peter Cullen gesprochen wird. Die Steuerung klappt auch auf dem PC wunderbar und spielt sich wie jeder andere Third-Person-Shooter mit einer schnell verinnerlichten Kombination aus Maus und Tastatur, lediglich bei den Flugabschnitten muss mit der Maus ein wenig nachgezogen werden.



Wertung: 7,9/10

Samstag, 3. Juli 2010

Most Wanted Juli - Dezember 2010

Verdammt, ging das schnell! Die erste Jahreshälfte 2010 ist bereits Vergangenheit, aber was kommt da noch alles in diesem Jahr?! Ich stelle hier meine kleine, aber feine Most Wanted Top 10 und mein persönlicher Geheimtipp.


1. Platz

Starcraft 2 (PC)
Genre: Echtzeit-Strategie


Warum?
12 Jahre nach dem unverwüstlichen Klassiker erscheint endlich der Nachfolger von Starcraft. Der Einzelspielermodus wird wieder mal eine packende Geschichte mit interessanten Charakteren auffahren. Neue Maßstäbe dürfte aber der Multiplayer setzen.

Was könnte schief gehen?
Eigentlich nichts, die Perfektionisten von Blizzard werden auch diesmal wieder ein Referenzprodukt abliefern.


2. Platz

Mafia 2 (PC, PS3, Xbox360)
Genre: Action


Warum?
Mit Mafia 2 erwartet uns vielleicht der einzige Open-World-Actioner, der es nicht nur mit GTA 4 aufnehmen kann, sondern diesen auch bei weitem übertreffen könnte. Jedenfalls konnte der niveauvolle Vorgänger, der selbst Mafia-Epen wie Der Pate alt aussehen ließ, damals den großen Konkurrenten GTA 3 ausstechen.

Was könnte schief gehen?
Es gibt bei weitem nicht die Vielfalt an Aufgaben wie bei GTA 4, die Spielwelt ist etwas dreimal so klein und von den vormals angekündigten multiplen Enden wird es doch nur eines geben. Großartige Sorgen muss man sich nur hinsichtlich der KI machen, die war schon beim Vorgänger schwach.


3. Platz

Lost Horizon (PC)
Genre: Point & Click Adventure


Warum?
Traurig, aber wahr: Im Jahr 2010 gab es tatsächlich noch kein einziges hervorragendes Point & Click Adventure. Abhilfe könnten - und ich bin mir ziemlich sicher werden - die Entwickler von Geheimakte Tunguska und dessen Nachfolger schaffen.

Was könnte schief gehen?
Ob gutes oder schlechtes Adventure - das entscheiden nach wie vor die Rätsel. Sind diese nachvollziehbar? Wirken sie nicht zu aufgesetzt und fügen sich gut ein? Wie lange hält der Spielspass an?


4. Platz

Star Wars: The Force Unleashed 2 (Multi)
Genre: Action-Adventure


Warum?
Endlich wieder wie ein unbesiegbarer Jedi fühlen und seinen Kräften freien Lauf lassen. Dazu gibt es die unverwechselbare Atmosphäre von Star Wars sowie ein fantastischer Soundtrack.

Was könnte schief gehen?
Der Vorgänger kam nur schwer in Fahrt, vergab so viel Potenzial und drehte erst ab der Spielmitte so richtig auf. Es müssen auf jeden Fall mehr Zwischengegner eingebaut werden, die KI dürfte sich auch cleverer verhalten.


5. Platz

Fallout New Vegas (PC, PS3, Xbox360)
Genre: Rollenspiel


Warum?
Fallout: New Vegas ist eigentlich nichts anderes als ein Fallout 3,5, d.h. eine riesige, frei erkundbare Spielwelt, interessante Charaktere und Schauplätze, verschiedene Lösungswege der Aufgaben, eine einzigartige Atmosphäre und Aufmachung. Immer auf der Suche nach mehr Erfahrungspunkten.

Was könnte schief gehen?
Fallout 3 gehört sicherlich zu den besten Genre-Vertretern, hatte aber auch unübersehbare Mängel: Viele NPC´s hatten keinen wirklichen Tagesablauf, die Aufgaben waren zwar ineinander verschachtelt, hätten aber zahlreicher sein können. In Deutschland dürfte es zudem wieder nur geschnitten auf den Markt kommen...


6. Platz

Need for Speed: Hot Pursuit (Multi)
Genre: Rennspiel


Warum?
Nicht nur Entwicklerstudio Criterion kehrt ein wenig zu seinen Wurzeln zurück, auch das neueste Need for Speed geht diesen Weg. Es erwartet uns ein schneller Racer mit unendlich vielen Tuning-Möglichkeiten und einem Burnout-ähnlichen Fahrgefühl.

Was könnte schief gehen?
Mit Need for Speed: Shift hatte der neue Entwickler eigentlich den Weg einer Simulation eingeschlagen, nur um ein Jahr später wieder alles über den Haufen zu schmeißen. Fans könnten verwirrt sein. Denjenigen, denen Shift also nicht gefallen hat, wird Hot Pursuit wahrscheinlich überhaupt nicht zusagen.


7. Platz

Kane & Lynch 2: Dog Days (PC, PS3, Xbox360)
Genre: Action


Warum?
Es erwartet uns eine ähnliche filmreife Atmosphäre wie im Vorgänger, d.h. kompromisslose Action, einige gute Story-Ideen und zwei interessante spielbare Charaktere. Das alles wird jetzt sogar nochmal eine Spur düsterer.

Was könnte schief gehen?
Wenn man sich den Vorgänger so betrachtet: So einiges! Die KI war plump, Grafik stellenweise sehr scheußlich, die Spielzeit viel zu kurz, das Deckungssystem hat nicht immer tadellos funktioniert, der Multiplayer undurchdacht.


8. Platz

Test Drive Unlimited 2 (Multi)
Genre: Rennspiel


Warum?
Die Test-Drive-Reihe hat bereits einige Jahrzehnte und unzählige Ableger auf dem Buckel, aber erst mit Test Drive Unlimited aus dem Jahr 2006 kam der wirklich große Durchbruch. Auch im Nachfolger erwartet uns ein großer Fuhrpark, eine riesige frei befahrbare Spielwelt und viele Herausforderungen. Herzstück dürfte aber wiederum der Mehrspielermodus werden.

Was könnte schief gehen?
Das eigentliche Herzstück, der Mehrspielermodus, hatte beim Vorgänger besonders anfangs mit großen Problemen zu kämpfen. Außerdem kommt wohl nicht jeder mit dem Fahrgefühl klar, dass sich nicht wirklich entscheiden konnte, wo es eigentlich stehen will.


9. Platz

Gran Turismo 5 (PS3)
Genre: Rennspiel


Warum?
Die Frage sollte heißen: Warum nicht?! Denn Gran Turismo gehört seit jeher zur Creme de la Creme der Rennspiele und schafft seit jeher einen unglaublich motivierenden Spagat aus Langzeitspass als Simulation und Arcade. Dieser Teil dürfte in Sachen Fuhrpark-Umfang alles bisher da gewesene sprengen. Dass das Fahrgefühl stimmt, hat bereits vor einiger Zeit Gran Turismo 5 Prologue gezeigt.

Was könnte schief gehen?
Gran Turismo 5 wurde oft verschoben, was natürlich Fragen über etwaige Probleme in der Entwicklung aufwerfen. Zwischenzeitlich haben bereits Spiele wie Forza Motorsport 3 gezeigt, dass sich der neueste Ableger sehr anstrengen muss. Besonders spannend ist zu sehen, wie sich das Schadensmodell im Gegensatz zur Konkurrenz schlägt.


10. Platz

Crysis (PC, PS3, Xbox360)
Genre: Ego-Shooter


Warum?
Es ist schon fast ein Phänomen: Ein Crytek-Spiel erscheint und ist von an für mehrere Jahre ohne Diskussionen grafisch das beste, was es gibt. Das gleiche könnte auch Crysis 2 schaffen, welches sich endgültig aus dem tropischen Dschungelszenario verabschiedet und das riesige New York erobert. Der optimierte Nano-Suit sorgt für verschiedene Herangehensweisen.

Was könnte schief gehen?
Das bislang vorzeigbare Material konnte noch nicht zu 100% begeistern, es sieht vielleicht schon zu sehr aus wie der Vorgänger, trotz des Schauplatz-Wechsels. Außerdem müssen die Entwickler noch stark an den Drehbüchern ihrer Geschichten werkeln.



Das sind also die Top 10 meiner am meisten erwarteten Videospiele für die 2. Jahreshälfte 2010. Vergessen darf man natürlich auch nicht interessante Titel wie Call of Duty: Black Ops, F1 2010 oder Arcania: Gothic 4.

Donnerstag, 1. Juli 2010

The Saboteur (PS3-Review)

Genre: Open-World-Action
Erschienen: Dezember 2009 für PC, PS3 und Xbox360
Alterseinstufung: Keine Jugendfreigabe

Mit The Saboteur erschien im Dezember 2009 das letzte Videospiel von Entwickler Pandemic Studios, die mit Openworld-Games wie Mercenaries oder chaotischen Multiplayer-Scharmützeln a la Star Wars Battlefront plattformübergreifend Anhänger finden konnten. Kein Wunder also, dass The Saboteur als Schlusspunkt ein gekonntes, aber teilweise chaotisches Sandbox-Game geworden ist.

In der rauen Haut des irischen Rennfahrers Sean Devlin, der sich für keinen zweideutigen Spruch zu schade ist, geraten wir als Spieler nach einem manipulierten Rennen im beschaulichen Saarbrücken mit dem Klischee-Nazi Kurt Dierker aneinander. Nachdem Sean mit seinem Kumpel dessen Wagen kurzerhand in einer Nacht- und Nebelaktion im See versenkt, werden beide in Gefangenschaft genommen. Auf der Flucht ins benachbarte Frankreich bricht auch schon die Hölle los: Die Nationalsozialisten marschieren unter Pauken und Trompeten ins Land der Baguettes und undisziplinierten Fussballnationalmannschaften ein. Fortan ist die gesamte Spielumgebung – Frankreichs Hauptstadt Paris (samt der weltbekannten Sehenswürdigkeiten wie Eifelturm, Triumphbogen, usw.) und Umgebung, zu der auch Le Havre und Saarbrücken zählen – in schwarz-weiß gehalten, bis auf wenige Ausnahmen wie die Symboliken und Fahnen der nationalsozialistischen Besatzungsmacht. Damit dieser Zustand nicht von Dauer ist, müssen in dieser offenen Spielwelt Missionen für den Widerstand absolviert werden. Netter Begleiteffekt: Die Spielumgebung erstrahlt dann wieder in seiner vollen farbigen, wenn auch etwas undetaillierten Farbpracht.



Die Spielwelt gestaltet sich zwar offen, aber doch nicht frei, was an den vielen Stellungen der Gegner liegt. Neben Barrikaden, die anfangs aber auch später nur mit einem beherzten Durchbrechen mit einem Fahrzeug überlistet werden können, gibt es aber auch Scharfschützennester, Propaganda-Lautsprecher, Aussichtspunkte, Militärfahrzeugstellungen, usw. – insgesamt bietet The Saboteur so über 1300 so genannter Freeplay-Targets. Diese können ignoriert werden, für einen späteren gemütlicheren Spielablauf sollte man aber hier und da die Gegend weitestgehend davon befreien. Oftmals macht man das auch im Vorbeigehen, d.h. man ist beispielsweise mit einem Automobil unterwegs, hält kurz an, befestigt einen Sprengsatz an einem Aussichtsturm und sieht quasi im Rückspiegel die schöne Explosion. Hierfür wird sofort Geld gutgeschrieben, das man dann wiederum beim Waffenhändler investieren kann.

Ähnlich wie in GTA hat Sean die Möglichkeit, sich nicht nur zu Fuss fortzubewegen, sondern auch fast jedes Gebäude zu erklimmen – ähnlich wie in Assassins Creed - und Fahrzeuge zu nutzen, entweder die vielen schicken zivilen passend zur damaligen Zeit, Rennautos oder auch militärische, was natürlich die Aufmerksamkeit der Nazis erregt. In jedem Fall lohnt es sich diese dann schnellstmöglich in eine der vielen Garagen zu parken, denn ist ein Fahrzeug erstmal gesammelt, lässt es sich immer wieder an den vorgegebenen Orten bestellen.



Die Herangehensweise an die meisten Missionen ist vielfältig: Immer ist es möglich, sich einfach etwas dumpf durchzuballern. Ergo bekommt ihr es auch mit enorm vielen Feinden zu tun. Ein ordentliches Deckungssystem hilft bei diesem Vorhaben. Aber auch die unauffällige Variante ist möglich, entweder in Sam-Fisher-Manier oder ganz raffiniert in geklauter Feindes-Uniform, was in vielen Fällen die effektivste und cleverste Spielvariante ist. Die Aufträge selber gestalten sich schon abwechslungsreich, allerdings bei weitem nicht in dem Maße wie Genre-Primus GTA, sodass für das Durchspielen der Geschichte vielleicht 15 Stunden schon ausreichen werden. Da ich aber etliche Freeplay Targets noch erledigt habe und so gut wie alle Fähigkeiten ausgereizt habe hatte ich am Ende eine Gesamtspielzeit von 25 Stunden. Die Fähigkeiten solltet ihr euch aber auch etwas genauer anschauen, denn sie beinhalten spannende Herausforderungen. Beispielsweise müssen fünf Generäle per Stealth-Kill erledigt werden – klingt einfach, ist es aber nicht da sie immer von zwei Leibwächtern bewacht werden. Auch nicht gerade einfach aber schaffbar: Innerhalb einer Alarmphase einen Zeppelin sowie einen Panzer in die Luft jagen. Durch dieses Abarbeiten von Nebenmissionen eröffnen sich zusätzliche Fähigkeiten, die den Spielablauf deutlich erleichtern.


Die deutsche Version von The Saboteur ist geschnitten, d.h. sie wurde um jegliche verfassungswidrige Symbolik erleichtert und ersetzt. Ebenfalls hat man es dort lediglich mit „den Deutschen“ zu tun. Die Sprachausgabe der von mir gespielten Version war bis auf wenige Ausnahmen komplett in englisch mit etwas gewöhnungsbedürftigen irischen, deutschen und französischen Akzenten. Das ist alles vom persönlichen Geschmack abhängig, ganz im Gegenteil zu den Klischeetriefenden Dialogen, die auch vor Bratwürsten nicht zurückschrecken. Insgesamt motiviert die Geschichte aber trotzdem zum Durchspielen, auch wenn das Ende wirklich auf ganzer Linie enttäuscht. Kleines Trostpflaster: Nach dem Beenden der Story kann einfach weitergespielt werden.



An der Technik werden sich wohl die Geister scheiden, denn zum einen ist der Stil aus Schwarz-Weiß und dem selbstverantwortlichen Übergang zum Farbigen sehr interessant. Außerdem läuft das Spielgeschehen immer flüssig ab trotz einer recht großen Spielumgebung. Geht man aber mehr ins Detail, zeigen sich deutliche Schwächen: Aus der Entfernung wirkt alles sehr verschwommen, unter Texturschärfe versteht man auch etwas anderes, es gibt kaum betretbare Gebäude, die Animationen sind sehr hakelig und wirken öfters unfreiwillig komisch. Dafür funktioniert die Steuerung angenehm gut und ist schnell verinnerlicht. Ein großer Schwachpunkt ist aber die berechenbare und stellenweise strunzdoofe künstliche Intelligenz von Widersachern sowie Mitstreitern, die nicht selten manchen Missionsablauf infrage stellen. Beispiel gefällig: Während einer Mission brechen wir in einen gut bewachten Hochsicherheitstrakt ein und befreien in geklauter Uniform einen Widerständler. Die „Flucht“, wenn man sie denn so nennen darf, gestaltet sich im Vergleich zum Eindringen als Kinderspiel, da uns die Gegner mit der befreiten Person einfach nicht mehr beachten.