Dienstag, 21. Juli 2009

Damnation (PC-Review)


Genre: 3rd-Person-Shooter
Erschienen: 22. Mai 2009 für PC, PS3, Xbox360
Alterseinstufung: USK ab 16 Jahren freigegeben

Ein verdammtes Spiel. Kein verdammt gutes, sondern ein verdammtes: Damnation hatte aufgrund seines interessanten Szenarios das Potenzial zum Überraschungshit. Überrascht ist im Endeffekt nur der Spieler wegen der miesen Qualität des Games. Lest hier die Gründe.

Vorher muss gesagt werden, dass Damnation kein unbekannter Begriff für Videospieler sein sollte. Es erschien nämlich bereits vor langer Zeit als kostenlose Modifikation im Jahre 2006 für Unreal Tournament 2004. Die Fanmodifikation hatte sofort eine kleine Anhängerschaft und gilt auch heute noch zum besten was der etwas betagte Mehrspieler-Titel zu bieten hat. Ausgangspunkt ist mal wieder ein Krieg, in diesem Falle zwischen Nationalisten und der Koalition im historischen Nordamerika. Dabei wird eine raue Steampunk-Western-Atmospähre geboten, soll heißen viel heiße Eisen, Cowboy-Hüte, schnelle Rasenmäher-Motorräder, usw. - in der Rolle von Rourke ballert, klettert und fahrt ihr euch durch mehrere Stunden ödeste Langeweile. Sogar mit lächerlicher Lovestory.








Gesteuert wird zumindest auf dem PC überaus präzise aus der 3rd-Person-Perspektive, die viel Übersicht bietet, die Sicht lässt sich sogar noch heranzoomen. So hat man die fantastisch großen Schauplätze immer im Auge. Nur ganz selten seid ihr ohne Begleitung unterwegs, die bei den Klettereinlagen schonmal den Weg vorgeben aber auch urplötzlich und wie aus dem Nichts neben euch wieder auftauchen, wenn ihr euch zu weit von ihnen entfernt habt. Dabei ist die Intelligenz der Mitstreiter noch annehmbar, da sie auch nicht soviel vom hirnlosen Kanonenfutter wegnehmen. Bei den Gegnern nämlich von Intelligenz zu sprechen wäre eine Beleidigung für jede bisher erstelle KI in einem Videospiel. Dass diese alle aus dem Klonlabor für mies texturierte und schlecht animierte Volksmusikanten lässt sich noch verschmerzen, die heftigen Aussetzer und erfolgreiche Selbstmordversuche eher nicht.

Ein Herzstück der alten Fanmodifikation waren bereits die ausschweifenden Klettereinlagen, die oftmals an Prince of Persia erinnern - für Arme... So hangelt ihr euch hohe Gebäude hoch, macht Wandsprünge um auf ein sonst nicht erreichbares Stück zu kommen - alles schön und gut, aber so steif und automatisch inszeniert, dass man eigentlich nicht vorbeispringen kann. Wenn es einmal nicht weitergeht lohnt ein helles Auge auf die Begleiter, die den Dreh immer raus haben, nebenei unsterblich sind und wenn ihr einmal schneller sein solltet als diese, sich sofort in eure Nähe teleportieren. Kein Witz: In einem Moment seit ihr vollkommen allein ohne Sichtkontakt, im nächsten Augenblick stehen sie direkt vor euren Colts...










Ein weiteres einnehmendes Element sind die Fahrabschnitte. Dabei setzt ihr euch auf brachiale Fahrzeuge, die am ehesten einem Motorrad oder einem Trike ähneln, vom Motorensound auf jeden Fall große Rasenmäher. Und da beginnt das ganze technische Desaster von Damnation. Wie schon oben geschrieben sind die Level überragend groß, aber noch überragender designt und texturiert. Was nutzt die größte Sichtweite, wenn alles so dermaßen verschwommen, detailarm und langweilig aussieht? Die Fahrabschnitte wirken daher wie Speedruns von Unreal 1! Ich habe in der gesamten Spielzeit nur einen Abschnitt erlebt, der solide ansehbar war. Kein Augenschmaus wofür die Unreal Engine 3 hier eingesetzt wurde.

Die Zwischensequenzen, die eine langweilige und völlig belanglose Story vorantreiben sollen, wirken diletantisch. Ganz nebenbei erwähnt rutschen einer Begleiterin ständig die eckigen Möpse aus dem Top, ebenso unförmig ist die aufgesetzte Lovestory. Ich erzähle wohl nicht zuviel wenn ich verrate, dass Rourke auch auf der Suche nach seiner verschwundenen Liebe ist. Die trifft er auch wieder, das Resultat ist allerdings ein ganz armseeliger Versuch den Shooter Prey zu imitieren. Auch der Sound spielt in der Kreisklasse: Schlechte deutsche Sprecher ersticken den angesetzten Raum für Atmosphäre schon im Keim! An Waffen wird ebenfalls nur ein Standard-Repertoire geboten, das Scharfschützengewehr ist bei den dummen Gegnern die effektivste von allen. Wer sich Damnation unbedingt zulegen will, sollte den kooperativen Modus versuchen, der bringt zumindest ein wenig Spielspass.

Als erneute kostenlose Modifikation für Unreal Tournament 3 wäre das Spiel gar nicht schlecht, als eigenständiger und kommerzieller Multiplattformtitel ist es ein Armutszeugnis.



4,9/10



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